Nordseedüne: Die Balkon- oder Garten-Version zum Selberbauen (Making of…)


Moin liebe Leserinnen und Leser,

wie schon im Gästebucheintrag auf dem Juist-Bilderbuch geschrieben, ist meine kleine Versuchsdüne weniger in ihrer Ästhetik zu betrachten, denn eher als ein Versuchsfeld um verschiedenste Dünenflora zu kultivieren. Natürlich möchte ich Ihnen einige Bilder vom Werdegang der Düne und auch des kleinen Nordsee-Teiches nicht vorenthalten.

 

Der Beginn des Dünenprojektes. Auf der linken Fäche wuchsen Kratzbeere, Strandroggen, Strand-Wegerich, Salzmiere, Andelgras, Breit-Wegerich und eine Plastik-Möwe für das Amusement meiner Katze.

Der Beginn des Dünenprojektes. Auf der linken Fläche wuchsen Kratzbeere, Strandroggen, Strand-Wegerich, Salzmiere, Andelgras, Breit-Wegerich und eine Plastik-Möwe für das Amusement meiner Katze.

Die Anfänge – Aufs und Abs

Alles begann mit dem Wunsch, aus ein paar mitgebrachten Kratzbeer- und Sanddornfrüchten Pflanzen zu ziehen um meiner Terrasse einen Hauch von „zu Hause“ zu verleihen. Es ging mir also in erster Linie darum diesen beiden Pflanzenarten möglichst natürliche Bedingungen zu bieten. Dafür schaffte ich mir zunächst einen großen Pflanzkübel an um meine ersten Aussaatversuche zu starten. In meiner Unwissenheit legte ich einfach die Früchte auf reinen Spielsand. Als dann nach Wochen immer noch nichts passiert war, ausser dass die Kratzbeeren ziemlich schnell verrottet waren, begann meine Recherche nach dem WIE und WARUM…

 

 

Erfolgreiche Eingliederung der Kratzbeere in den ersten Dünenabschnitt.

Erfolgreiche Eingliederung der Kratzbeere in den ersten Dünenabschnitt.

Nach den ersten Erfolgen mit der Kratzbeere im Pflanzkübel, fing ich an einige Ableger in dem Beet neben meinem damals noch Süßwasserteich zu implantieren. Erstaunlicherweise benötigten die Zöglinge nur einen kleinen Radius eines Torf-Sand-Gemisches um ihre Wurzeln herum. Wuchsen sie an, so krochen sie von alleine weiter über normalen Erdboden. Heutzutage habe ich schon Probleme den Wildwuchs im Zaum zu halten.

Kurz darauf hob ich den Boden um die Kratzbeeren herum bis zu einer Tiefe von 30 cm aus und füllte den ersten Dünenabschnitt mit eigens hergestelltem Sand auf. Auf die Deckschicht verteilte ich zermahlene Muschelschalen.

 

Als nächstes bemühte ich mich meine Sanddornzöglinge im Kübel wachsen zu lassen. Diese gingen aber immer ab einer Wuchshöhe von etwa 10 cm ohne ersichtliche Gründe ein. Also experimentiete ich weiter mit verschiedenen Erd-, Sand- und Düngemischungen. Heute wächst hier ein ca. 50 cm hoher, 2-jähriger Sanddorn. Auf dem ersten Foto kann man sehr schön die beiden Keimblätter (Kotyledone) und die Sternhaare auf der Blattoberseite der regulären Blätter sehen.

Mein erster Sanddornsprößing. Deutliche Zeichen einer Dünenalterung sind auf dem Sand zu erkennen. Grünalgen und kleine Moose haben sich angesiedelt.

Mein erster Sanddornsprößing. Deutliche Zeichen einer Dünenalterung sind auf dem Sand zu erkennen. Grünalgen und kleine Moose haben sich angesiedelt.

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Und so sieht er heute aus. Er ist in diesem Jahr etwa um 30 cm gewachsen. Der letzte Winter war hart und so haben einige seiner „Geschwister“ nicht überlebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Risiken und Nebenwirkungen

Meine Katze hilft mit...

Meine Katze hilft mit…

Die Risiken sind sehr überschaubar. Es kann Ihnen passieren, dass sich Ihre Düne zum größten öffentlichen Katzenklo der ganzen Umgebung entwickelt. Für diesen Zweck habe ich eine kleine Opferfläche rechts vom Teich unbepflanzt gelassen, woran sich bis heute meine beiden und auch wilde Katzen gehalten haben. Sozusagen als stillschweigendes Abkommen. Es gibt jedoch auch hier Abhilfe in Form von Duftsprays, mit für Katzen unangenehmen Gerüchen, die Sie in jedem Zoofachgeschäft finden können. Bitte arbeiten Sie auf keinen Fall mit Gift!

 

 

Eine schwarze Wegameise betreut eine Gruppe von Blattläusen unter einem Sauerampferblatt.

Eine schwarze Wegameise betreut eine Gruppe von Blattläusen unter einem Sauerampferblatt.

Ein zweites Risiko besteht in Form von Ameisen. Diese lieben den Sand um ihre Nester dort zu errichten. Es herrscht im Sommer daher sehr reger Verkehr in und auf der Düne. Dies alleine wäre ja kein Problem, wenn sie nicht die Angewohnheit hätten alle Pflanzen der Umgebung mit ihren Blattläusen zu behelligen. Sanddorn scheint für sie allerdings kein lohnendes Ziel zu sein. Meine Dünen-Kriechweide musste jedoch ganz schön leiden, weshalb ich sie umsetzen musste. In diesem Jahr befiehlen die Ameisen sogar meine Dünengräser. So etwas habe ich vorher noch nie beobachtet. Das spritzen von Insektiziden kommt bei mir als Biologen nicht in Frage, auch weil ich meine Kratzbeere noch unbelastet genießen möchte.

 

Die Ameisenspinne (Synageles venator) lebt unter schwarzen Wegameisen und räubert gelegentlich auch in deren "Viehherden".

Die Ameisenspinne (Synageles venator) lebt unter schwarzen Wegameisen und räubert gelegentlich auch in deren „Viehherden“.

Die Nebenwirkungen sind dafür um so schöner. Mit der Zeit wird sich aufgrund der Düne eine völlig neue Insekten- und Spinnenfauna ansiedeln. Sand-, Grab- und Wegwespen, welche für uns ungefährlich sind, machen Jagd auf Spinnen und Insektenlarven. Auch mit den Ameisen kommen neue Tiere an. Die zu den Springspinnen gehörende Ameisenspinne (Synageles venator) hat sich in ihrem Aussehen und Verhalten der schwarzen Wegameise (Lasius niger) angepasst. So etwas nennt man Schutz-Mimikry. Ich konnte sie mehrmals auf den Ameisenstrassen in meiner Düne beobachten. In Folge des vermehrten Ameisenvorkommens können sich in größeren, ungestörten Sandarealen Ameisenlöwen etablieren. Diese sind ein sehr lohnendes Beobachtungsobjekt. Weitere Insektenarten, wie Sandlaufkäfer werden auf Dauer dazukommen. Sie sehen, auch Ihre Düne zu Hause ist kein statisches Objekt. Mit der Zeit entwickelt sich alles weiter und Sie können im Frühling/Sommer/Herbst beinahe täglich neue Details entdecken…  Wenn Sie gerne Fotografieren und schon Ihre eigene Düne haben, schicken Sie mir doch bitte Ihre Bilder direkt an info@christopherjoest.de und ich werde sie hier in einer eigenen Rubrik online stellen.

 

 

Nordsee-Teich und Düne nach einem Regenguss. (Aug. 2013)

Nordsee-Teich und Düne nach einem Regenguss. (Aug. 2013)

 

Der Nordsee-Teich

Der Nordsee-Teich. Die erste Version

Der Nordsee-Teich. Die erste Version. Es wuchsen Meersalat und Darmtang im ersten Jahr so gut, dass ich mehrere 10-L-Eimer davon abernten konnte. Eine Delikatesse für Doktorfische!

Als Meeresbiologe und -Aquarianer war die Idee von einem Nordsee-Außenaquarium nur eine Frage der Zeit für mich. Mit der ersten Phase des Dünenbaus plante ich auch gleich den Umbau meines kleinen Süßwasserteiches. Dazu waren ein paar Fahrten zur Nordsee von Nöten um frisches „lebendes“ Wasser und Algen zu besorgen. Da ich nebenbei noch ein tropisches Seewasseraquarium pflege, fiel beim obligatorischen wöchentlichen Wasserwechsel immer einiges an Brauchwasser an. Dieses Wasser musste ich nun nicht mehr entsorgen sondern konnte es zum Wasserwechsel im Nordseeteich anwenden. Bei Brauchwasser aus tropischen Seewasseraquarien liegt bereits ein erhöhter Nitrat- und Phosphatwert vor, den die Algen aus der Nordsee sehr gut verwerten können.

 

 

Düne und Nordsee-Teich die Zweite...

Düne und Nordsee-Teich die Zweite… Rechts sieht man die freie Opferfäche, links mein erster Versuch eine Sicheldüne zu bauen. Gleich links neben dem Teich ist eine kleine Salzwiesenzone.

Der anfängliche Besatz war bewußt spärlich gehalten. Fische und größere Wirbellose wollte ich aufgrund eines fehlenden Filters nicht halten. In der ersten Zeit nutzte ich eine Pazifische Auster und einige Miesmuscheln als kleine Biofilter. Desweiteren leben seither Seenelken und zahllose Gammariden im Teich. Die Vor- und zugleich Nachteile eines Nordseeteiches liegen in der direkten Sonneneinstrahlung und der Außentemperatur. Im Frühjahr und Herbst finden wir hier nahezu perfekte Wassertemperaturen vor. Die natürliche Sonneneinstrahlung begünstigt das Algenwachstum enorm. Das kann keine Aquarienleuchte nachmachen. Neben Meersalat (Ulva lactuca) und Darmtang (Enteromorpha sp.) hielten sich kleinere Rotalgen wie der Gabeltang (Furcellaria fastigiata) sehr lange. Ein Versuch mit jungen Strandkrabben schlug nach der nächsten Häutung fehl. Die Felsengarnele (P. elegans) hielt sich bis zu einer hochsommerlichen Temperatur von 27° C.

In zwei Wintern frohr der Teich bis fast zum Grund zu. Die Auster gab dabei auf. Alle anderen überlebten problemlos. Im darauffolgenden Frühjahr schaffte ich mir dann eine solarbetriebene Umwelzpumpe an um das Ausbilden einer Sprungschicht nach heftigem Regen zu verhindern und auch die Sauerstoffversorgung der Bodenschicht zu gewährleisten. Vorher bildete sich gerade in Hitzeperioden eine Trennschicht aus, welche den Bodenbereich von der Sauerstoffversorgung abtrennte. Das Resultat war aufgrund der starken Sauerstoffzehrung im Bodengrund verhehrend. Ich musste zunächst Wasserwechsel durchführen und anschießend den schwarzen Bodengrund von totem Material befreien. Ausserdem verminderte ich die Schichtdicke um die Hälfte.

 

Soweit hier ein kleiner Überblick über das Endstehen und den aktuellen Stand meiner beiden Projekte. Ich hoffe es hat Ihnen gefallen. Als reine Schauanlage würde ich beides, die Düne und den Teich natürlich optisch anders gestalten. Aus Platzgründen jedoch und um die Machbarkeit beider Ideen zu testen endstand eben dieses Kleinstbiotop in Kombination. Weitere Tests und funktionelle Verbesserungen folgen…