Sanddorn als Neophyt?

Sanddorn (Hippophae rhamnoides)

Sanddorn (Hippophae rhamnoides)

Wußten Sie, dass der Sanddorn-Strauch (Hippophae rhamnoides) aus der Familie der Ölweidengewächse (Elaeagnaceae) seinen Ursprung in Nepal hat? Seine silbergrünen Blätter und die leuchtend orangenen Früchte sind eine nicht mehr wegzudenkende Assoziation mit den Dünen der Nord- und Ostseeküste. Doch das war nicht immer so. Nach Eiszeitlichen Verschiebungen breitete sich diese Pionierpflanze von ihrem Ursprungsgebiet in den Bergen Nepals in Ostasien und in Westasien bis nach Europa aus. Auf den Ostfriesischen Inseln wurde der Sanddorn erst sehr spät ab Mitte des 18. Jahrhunderts (1743 auf Borkum, 1786 auf Juist) nachgewiesen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Dr. Metzing für den Hinweis. Der Sanddorn breitete sich von Westen nach Nordosten entlang der Küste aus. Somit ist er dort also als ein etablierter Neophyt zu betrachten. Laut Definition ist ein Neophyt eine nicht-einheimische Pflanzenart, die nach dem Jahre 1492, also nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus in ein Gebiet gekommen ist. Gebietsfremde Arten, die vor diesem Datum eingewandert sind werden als Archäophyten bezeichnet. Dies betrifft zum Beispiel Kulturpflanzen, welche durch den Handel des römischen Imperiums in der Antike nach Europa gekommen sind. Als etabliert ist ein Neophyt zu bezeichnen, wenn er über mehrere Generationen und über einen Zeitraum von mindestens 25 Jahren nachzuweisen ist. Da der Sanddorn aber höchstwahrscheinlich nicht durch Menschenhand eingebürgert wurde (außer in der Neutzeit), sondern aufgrund einer Klimaveränderung gewandert ist, müsste man hier von einer Adventivpflanze (Neuankömmling) sprechen.

 

Er bevorzugt sonnige und kalkhaltige Sand- und Geröllböden, welche er in den Graudünen der Inseln vorfindet. Gegen Austrocknung durch Wind und Sonne schützt er sich mit Sternhaaren auf den Blattunterseiten welche den Blättern ihr typisch silbergrünes Erscheinungsbild geben. Seine Wurzeln können bis zu drei Meter tief in den sandigen Boden reichen. Sie weisen eine enormen Wurzeldruck auf um dem Sand effektiv das Wasser zu entziehen. Deshalb sollten Sanndornsträucher auch nicht direkt an Wegen und Häusern gepflanzt werden. Die Wurzeln können mit ihren Ausläufern Wegplatten anheben und Hausisolierungen beschädigen. Zwischen den feinen Wurzeln siedeln symbiotische Bakterien, welche den Luftstickstoff binden können und damit der Pflanze eine sichere Nährstoffquelle zur Verfügung stellen.

Diese Pflanzen sind zweihäusig. Es gibt also männliche und weibliche Pflanzen, von denen nur die weiblichen von etwa August bis Dezember ihre charakteristischen Früchte tragen. Die sehr unscheinbaren, graubraunen Blüten sitzen direkt am holzigen Stamm und werden, nach gängiger Meinung, ausschließlich vom Wind bestäubt. Die Blütezeit ist von März bis Mai. Die Früchte sind sogenannte Schein-Steinfrüchte. Sie enthalten neben ätherischen Ölen sehr viel Vitamin C und werden gerne von Vögeln gerade in den späten Herbstmonaten gefressen. Wird eine Frucht verdaut, also der Samen vom Fruchtfleisch befreit und ausgeschieden, so erhält er einen Entwicklungsimpuls und keimt bei genügend Feuchtigkeit auf. Zerquescht man eine Sanddornfrucht und befreit den Samen vom Fruchtfleisch, kann man ihn relativ einfach zum Keimen bringen. Gerade junge Sanddornpflanzen verzeihen jedoch keine Austrocknung.

In den Graudünen ist er oft in Gemeinschaft mit der Kriechweide (Salix repens), der Kartoffel-Rose (Rosa rugosa) und der Kratzbeere (Rubus caesius), einer wilden Brombeerart, anzutreffen.

Weiterführende Literatur:

  • EGGERS P., HEINE K., NIEDRINGHAUS R. (2008): Die Biotoptypen und Vegetation der Ostfriesischen Inseln. – In: NIEDRINGHAUS, R., HAESELER, V., JANIESCH, P. (Hrsg.): Die Flora und Fauna der Ostfriesischen Inseln. – Schr.R. Nationalpark Nieders. Wattenmeer 11: 9-34, + 10 Karten.
  • Der Sanddorn: Herkunft, Anwendung & Rezepte